Ich fahre recht gerne mit der Bahn. Jedenfalls dann wenn die Strecken nicht zu weit sind und ich nicht stehen muß. Letzteres passiert aber sehr selten, da der geübte Bahnfahrer weiß, zu welchen Zeiten man besser einen Platz reservieren sollte.
Besonders gerne fahre ich in den späten Abendstunden, denn dann kann man währen der Fahrt wunderbar entspannen. Die
Fahrgastzahlen sind niedrig und die Wagen ruhig. Es ist ungestörte Zeit für Gedanken und Lektüre und vereinzelt auch für ein nettes Gespräch. Zu später Stunde setze ich mich gerne in das Bistro, da mir manche Wagen dann schon fast etwas zu leer sind, vorallem aber da ich dann an einem Tisch gemütlich eine Zeitung aufschlagen und in Ruhe einen Kakao trinken kann. Denn Kaffee gibt es zu später Stunde, wie ich heute wieder festellen mußte, in IC's leider nicht mehr. Während jeder Regionalzug mittlerweile Kaffeautomaten hat, sind die Kaffee-Apperate im IC dann bereits abgeschaltet, so dass nur eine überschaubare Kaltgetränkeauswahl bleibt. Das ist schade, aber damit kann ich mich gut begnügen. Eine Frage, die mich aber auch diesmal wieder umtrieb ist die, warum es in IC's (im Gegenzug zu durchschnittlichen Regionalzügen oder ICE's) so oft so unschön muffelt. Sind es die Klimaanlagen? Solange sich hieran nichts ändert ist eine Fahrt im IC nicht wirklich einladend und für die Bahn werbend...
Abgesehen davon war die Fahrt sehr angenehm, da ich die störende Gerüche irgendwann kaum noch wahrnahm und mich auf die Lektüre der noch aktuellen Ausgabe der New York Review of Books konzentrieren konnte. Zwar habe ich diese Ausgabe noch nicht ganz durchgelesen, die Mehrheit der Artikel hingegen schon. Deshalb kann ich auch sagen, dass diese Ausgabe wieder sehr gelungen ist und möchte sie jedem Leser dieses Weblogs dringend empfehlen.
Die Review ist ein ganz hervorragendes Blatt das seines gleichen sucht und zumindest in der deutschsprachigen Zeitschriftenlandschaft nirgendwo findet. Das Spektrum der Themen die in der Review behandelt werden ist sehr breit und die Qualität der Artikel zumeist sehr gut. Man sollte sich durch den Titel nicht abschrecken lassen. Wer ob des Titels trockene Rezensionen erwartet, der wird nach der Lektüre diese Erwartung nicht bestätigt finden. Denn das Geheimnis der liberalen
Review, deren thematische Bandbreite Literatur, Politik, Recht, Geschichte, Wissenschaft, Highbrow-Culture ebenso wie Lowbrow-Culture umfasst, ist es, dass aktuelle Bücher eher frei besprochen werden und gelegentlich auch nur der Anlass dazu sind ein Thema aufzugreifen und gelehrt darzustellen. Viele Artikel des Blattes, gerade zu politischen Themen, sind keine Rezension sondern richtig gut geschriebene Hintergrundartikel von richtig guten Autoren.
Kurzum: ich kann jedem aufgeschlossenem Kopf das intellektuelle Flagschiff der amerikanischen Presselandschaft nur dringend ans Herz legen und glaube, dass die aktuelle Ausgabe ein gutes Beispiel für die Qualität dieses Blattes liefert. Leider sind die beiden Artikel, die mir diesmal am besten gefielen, nicht online zu finden. Dies ist sehr schade, da Helen Epstein, die in der NYRB regelmäßig exzellente Artikel zu medizinischen Themen schreibt, einen interessanten Artikel über die ambivalente Geschichte der Geburtenkontrolle geschrieben hat, der exemplarisch zeigt wie spannend auch Themen sein können, auf die man sich von sich aus vielleicht nicht gerade zu bewegt hätte. Ebenfalls sehr gut, weil exemplarisch für die Qualität der politischen Artikel der Review, ist Roger Cohen Artikel über die erfolgreiche Intervention Kofi Annans in Kenya. In diesem zeigt Cohen sehr schön, wie eine erfolgreiche R2P-Interventionsstrategie aussehen kann, wenn sich die entscheidenden Akteure einig sind und entschlossen handeln. Ein unbedingt lesenswerter Artikel, der etwas Mut macht!
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