Dienstag, 26. Mai 2009
Lange habe ich hier nichts mehr geblogged. Dafür gibt es viele Gründe. Ein Grund dafür ist hier zu finden. Bitte fleißig bewerben!
Mittwoch, 24. September 2008
Spiegel Online hat ein lesenswertes, weil entlarvendes
Portrait
des Initiators der Initiative "Wir wollen lernen", Dr. Walter
Scheuerl, geschrieben.
Scheuerl entwickelt einen Hang zu verwegenen Deutungen, wie
im Fall der Pisa-Ergebnisse 2003: "Hamburgs Gymnasien liegen vor
Pisa-Sieger Finnland" - weil bei Finnlands Pisa-Werten alle Schüler
berücksichtigt wurden, ist das weder überraschend noch von
Bedeutung. Scheuerl trompetete auch zu einer Statistik über
Hamburger Schulabbrecher, keine Schulform würden mehr Schüler ohne
Abschluss verlassen als die Gesamtschule (und ganz besonders
finster sehe es aus an jener Gesamtschule, an der Goetschs Ehemann
unterrichte). Trickreich verglich Scheuerl nur die absoluten Zahlen
- nimmt man die prozentualen Anteile, entsteht ein etwas anderes
Bild: Neun Prozent der Gesamtschüler schaffen den Abschluss nicht,
bei den Hauptschülern sind es rund 20 Prozent.
In dem Zusammenhang möchte ich auf die laufende Eintragung für das
Volksbegehren "Eine Schule für
Alle" hinweisen und darum bitten sich zeitig
einzutragen, da
die Hürden relativ hoch sind; und - schlimmer noch - zu befürchten
steht, dass die ersten Reformen, die jetzt angegangen werden, jäh
gestoppt werden könnten, sollte Moorburg irrationalerweise zum Bruch
der Koalition führen. Ich habe ein ungutes Gefühl.
Wer unentschlossen ist, z.B. weil die Argumente unbekannt sind, möge
mich bitte gerne kontaktieren. Ich werde mich bemühen die Argumente sachlich,
und im Gegensatz zu Scheuerl ohne kreative Interpretation der empirischen Datenlage,
darzulegen.
Freitag, 9. Mai 2008
Es passiert selten, dass mich politische Personalien begeistern. Natürlich freue ich mich über gute Leute - und davon gibt es, neben allem Mittelmaß, nicht nur bei uns, einige. Aber wirklich exzellente Besetzungen sind selten. Das neue Führungspersonal der Schulbehörde hingegen erfreut mich sehr.
Mit Christa Goetsch haben wir nun wieder eine entschlossene Schulsenatorin, die mit "Hand, Herz und Verstand" (wie es in grünen Bildungsschriften so oft so schön hieß) entschieden versuchen wird, unser selektives und dabei nicht mal besonders leistungsfähiges Schulsystem zu reformieren. Die Entscheidung Ulrich Vieluf als Staatsrat zu berufen ist ein gutes Zeichen. Nur wenige kennen den Behördenapperat so gut, sind fachlich so versiert und mit so viel Leidenschaft dabei. Es ist ein gutes Zeichen und eine kluge Entscheidung, dass diese Stelle nicht nach grüner Partei-Mitgliedschaft besetzt wurde, sondern nach inhaltlichen Gesichtspunkten. Ich mache keinen Hehl daraus, die Namen, die vorher gehandelt wurden, begeisterten mich nicht. Es wären gute Leute gewesen, aber für die kommende Aufgabe eben nicht gut genug.
Denn machen wir uns nichts vor: die nächsten vier Jahre werden schwierig. Sehr schwierig. Schulpolitik ist ein schwieriges Geschäft, bei dem, mehr noch als in anderen Bereichen, jeder meint mitreden zu können, weil ja schließlich jeder selbst schon einmal Schüler gewesen ist. Die eigene Perspektive wird dabei bar jeder Sachkenntnis nur allzu gerne verallgemeinert. Umso froher bin ich, dass jemand der etwas von Empirie versteht, nun die Verwaltung leiten wird.
Ich kann nur hoffen, dass andere personelle Frage mit ähnlich viel Umsicht entschieden werden und wünsche Ihnen und uns viel Durchhaltevermögen und kommunikative Stärke, die Reformen erfolgreich zu vermitteln. Ich für meinen Teil habe mir fest vorgenommen mich wieder stärker in die Diskurse einzumischen und meinen kleinen, bescheidenen Teil dazu beizutragen. Die Tür ist einen Spalt weit auf, jetzt gilt es sie nicht wieder zu fallen zu lassen und den sich gründenden Initiativen gegen die Reformen wortgewaltig entgegen zu treten!
Samstag, 17. November 2007
Die gute Nachricht zuerst: der digitale Wahlstift
ist vom Tisch. Vorerst. Denn
mittlerweile sehen viele Parteivertreter zwar ein, dass
es Sicherheitsbedenken gibt, haben aber immer noch nicht
verstanden, dass elektronische Wahlen ein
grundsätzliches Problem haben, welches sich nicht lösen
lässt. Der Glaube, der technische Fortschritt würde das
Problem schon lösen, ist naiv, da es sich bei dem Problem der
Transparenz primär gar nicht um ein technologisches Problem
handelt.
Parlamentswahlen haben einen einfachen Zweck: sie
dienen, je nach Sichtweise, entweder dazu Personen und
Parteien auf friedliche Art und Weise Macht zu geben
oder zu entziehen. Damit sie nicht durch Ausübung von
subtileren Form der Gewalt oder durch Manipulationen
kleinerer Gruppen beeinflusst werden können, gibt es ein
paar einfache Grundsätze die unabdingbar sind. Dazu
gehören neben den Grundsätzen der
Allgemeinheit, der Gleichheit, der
Privatheit auch der Grundsatz der Transparenz
einer Wahl. Und eben dieser Grundsatz ist
bei elektronischen Wahlen prinzipiell nicht zu
erfüllen! Ein elektronisches Wahlgerät, egal wie gut
und sicher es sein mag, ist für die Wähler eine
Black-Box. Selbst für fachlich versierte. Aus diesem
Grunde sind elektronische Parlamentswahlen grundsätzlich
abzulehnen.
Leider steht zu befürchten, dass die Befürworter
elektronischer Wahlsysteme nach den Bürgerschaftswahlen
wieder mit der Notwendigkeit argumentiert werden und
dann wohl möglich auf vergangene Erfahrungen verweisen
können, die vielleicht wirklich zeigen werden, dass
das jetzige Wahlsystem nicht praktikabel ist.
Aus diesem Grund kann ich
Hanno nur zustimmen, wenn er schreibt:
Hamburger werdet Wahlhelfer!
Wenn sich nur genug melden werden sich die Befürchtungen
hoffentlich als Schwarzmalerei herausstellen. Sollten
wir aber aber tatsächlich feststellen, dass dieses
Wahlsystem ohne Wahlhilfen nicht sinnvoll funktioniert,
dann werden wir wohl oder übel die Diskussion über das
neue Wahlrecht noch einmal aufmachen müssen. Und dann
werde wohl möglich auch ich meine Haltung dazu
revidieren. Schöner aber wärs natürlich, wenn wir uns
diese Frage gar nicht stellen müßte. Also: "Hamburger
werdet Wahlhelfer!"
Donnerstag, 25. Oktober 2007
Ach, hätte ich das doch vor zwei Stunden gelesen als ich meinen Brief schrieb! Der Chaos Computer Club hat offen tatsächlich einen Wahlstift-Trojaner gebaut!
Der CCC hat zur beispielhaften Illustration der vielfältigen Angriffsmöglichkeiten gegen den Wahlstift für die Hamburger Bürgerschaft einen trojanischen Wahlstift entwickelt, der äußerlich nicht als solcher erkennbar ist. Solch ein Stift kann sowohl von Wählern als auch von an der Wahlvorbereitung und -durchführung beteiligten Personen unbemerkt ins Wahllokal mitgebracht und statt dem echten Wahlstift in die Auslesestation gesteckt werden. Der manipulierte Stift überträgt dann nicht nur digitale Stimmkreuze zum Auswertungscomputer, sondern agiert als ein sogenanntes Trojanisches Pferd zum Einschleusen von Schadsoftware. Sobald der Stift in die Auslesestation gesteckt wird, aktiviert sich ein Manipulationsprogramm, welches automatisch auf das Zielsystem übertragen und dort ohne Zutun des Bedieners ausgeführt wird. Das Programm kann nun problemlos Manipulationen auf dem Auswertungslaptop vornehmen, indem es z. B. die Position der digital gespeicherten Stimmkreuze verändert, das Endergebnis verfälscht, speichert und ausgibt.
Wer jetzt noch auf den Wahlstift setzt gehört endgültig merkbefreit! Und an die Jungs und Mädels vom CCC die an diesem und anderen wichtigen Themen dranhängen: Ihr seid großartig!
Update: Der CCC hat nachgelegt und einen zweiten Hack demonstriert.
Ich stelle mich seit einigen Jahren als Wahlhelfer zur Verfügung.
Diese Aufgabe ist zwar nicht besonders spannend, gleichwohl aber
eine, die notwendigerweise erledigt werden muß. Nun erhielt ich
wieder Post vom Bezirksamt, worauf ich leider entgegnen mußte,
dass ich mir nicht sicher bin, ob ich mich wieder zur Verfügung
stellen werden. Denn: mit der Einführung des digitalen
Wahlstiftes soll es, von Stichproben abgesehen, keine
regulären öffentlichen Auszählungen mehr geben.
Deshalb schrieb ich folgenden Brief und bitte jeden besorgten
Hamburger Bürger jetzt, bevor der
Verfassungsausschuß darüber berät, seine Bedenken
zu äußern und die Fachsprecher der Parteien anzuschreiben
(Kontaktadressen weiter unten).
"Wahlmaschinen - nicht mit mir!" vollständig lesen
Mittwoch, 10. Oktober 2007
Die JEF-Hamburg veranstaltet am
24. und 25. November eine Simulation
Europäisches Parlament, für alle Schüler der Sekundarstufe II.
Angesichts der Tatsache, dass wir ein großartiges Organisationsteam haben,
habe ich keinerlei Bedenken diese Veranstaltung hier der Allgemeinheit zu
empfehlen. Seite heute ist Anmeldebegin; die erste Anmeldung
hatten wir bereits eine halbe Stunde später.
Update (14.11.2007): So vielversprechend die ersten frühen Anmeldungen waren. Leider verliefen die Anmeldungen danach viel schleppender und wir haben die sinnvolle Mindestteilnehmerzahl von 50 Teilnehmern (für rund 80 war es geplant) bis zum Anmeldeschluß leider nicht erreicht. Das SimEP mußte daher leider abgesagt werden. Wir überlegen jetzt, wie wir mit einer besseren Kommunikationsstrategie in einem zweiten Anlauf die Veranstaltung besser bewerben können. Für das erste nur so viel: es wird definitiv einen zweiten Anlauf geben. Wer Interesse hat kann sich gerne in unseren Verteiler aufnehmen lassen.
Samstag, 4. August 2007
Die Unterhaltung mit einem Freund über die Wurm-Ausstellung erinnerte mich daran, dass ich für diese unbedingt die Werbetrommel schlagen wollte, bevor sie am 2.9. d.J. schließt. Es gibt zahlreiche höchst skurille Plastiken, Zeichnungen, Photographien und Installationen zu sehen. Ich sah die Ausstellung Ende April oder gegen Anfang Mai, werde sie mir wohl aber nochmal ansehen und kann sie auch weniger kunstinteressierten Menschen empfehlen, da der Zugang zur Kunst Wurm's einfach zu finden sein sollte. Höchst unterhaltsam!
Donnerstag, 15. Februar 2007
Was die Hamburger CDU von der Volksgesetzgebung hält ist hinreichend
bekannt: sie lehnt sie nicht nur ab, was ihr gutes Recht ist, sondern
setzt sich in unschöner Regelmäßigkeit über Volksentscheide hinweg - selbst
dann wenn, wie im Falle der Privatisierung des Landesbetriebes Krankenhäuser,
drei-viertel aller Hamburger anderer Meinung sind.
Da ständige Kritik an übergangenen Volksentscheiden das Regieren auf
Dauer etwas unbequem macht, weil man sich ständig öffentlich verteidigen muß,
warum man sich schon wieder über einen Mehrheitsentscheid hinwegsetzte,
plant die CDU "Verbesserungen im Wahlrecht". "Verbesserungen", die
de facto darauf hinauslaufen werden, dass es zukünftig sehr schwer
werden wird, erfolgreich Volksbegehren und Volksentscheide zu initiieren.
So sollen z.B. Stimmen für Volksbegehren zukünftig nicht mehr auf der Straße
gesammelt werden. Eintragungen zur Unterstützung eines Volksbegehrens
sollen wieder ausschließlich auf den Ämtern vorgenommen werden. Die Quoren
freilich sollen nicht reduziert werden und besondere Öffnungszeiten, etwa am
Wochenende, sind ebenfalls nicht vorgesehen. Ein Schelm wer schlechtes dabei
denkt...
Ein weiterer wesentlicher Punkt: Volksentscheide sollen von Wahlen entkoppelt
werden. Das Argument der CDU ist fadenscheinig. Volksentscheide bekämen
dadurch ein größeres Gewicht, da die allgemeinen Wahlen, dann nicht so viel
Aufmerksamkeit von Ihnen abziehen würden. Darüber hinaus befürchtet die CDU
eine Flut von Volksentscheiden, die in Anbetracht des komplizierteren
Auszählungsablaufes aufgrund der Einführung des Kumulierens und
Panaschierens nicht mehr zu bewältigen wären. Tatsache ist, ich spreche aus
praktischer Erfahrung, dass Volksentscheide zügig auszuzählen sind.
Es ist ist eher anzunehmen, dass die CDU sich eine geringere Mobilisierung
erhofft, was das Erreichen der hohen Quoten deutlich erschwerte und
dementsprechend vom Volke unbehelligteres Regieren ermöglichte.
Die Zeit drängt, deshalb gilt es JETZT die Briefwahlunterlagen, anzufordern!
Update (1. März 2007, 19h): DPA hat vor rund drei Stunden den Erfolg des Volksbegehrens gemeldet. Wer sich noch nicht eingetragen hat, kann und sollte dies natürlich dennoch tun. Denn: je mehr Eintragungen, umso höher der symbolische Wert der Abstimmung.
Dienstag, 10. Oktober 2006
Wäre es mir möglich gewesen, ich wäre am Samstag nur allzu gerne zu einer Fachtagung, "Hamburg braucht eine Schule für alle", gegangen. Ich bin mir nicht sicher, was den Reiz ausmachte, denn in den letzten zwei drei Jahren habe ich kaum aktive Schulpolitik betrieben und dies ganz bewußt nicht tun wollen. Meine Motivation war bereits lange vorher auf einem Tiefpunkt angekommen. Ein Gefühl von Überdrüssigkeit hatte sich eingestellt: es gab weder etwas zu lernen und noch etwas zu bewegen, stattdessen die Flucht in die Theorie aus anhaltendem Frust darüber wie schwer es ist, Ideen zu kommunizieren. Ich glaube, was mich eine ganze Weile trotz alledem hielt, war die Hoffnung auf einen Regierungswechsel. Auf Rot-Grün und damit vielleicht auf eine Schulsenatorin die wieder etwas bewegen würde. Es war mithin auch die Hoffnung auf ein Ende einer Reihe von Fehlbesetzungen, die mit Ute Pape ihren Anfang genommen hatte.
"So ganz lässt es mich doch nicht los... Eine Schule für Alle" vollständig lesen
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